Dirndl - gesunde Wildfrucht

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Auszug aus Buchbeitrag Prof Pittner

Dirndlstrauch in voller Blüte

Wenn der Schnee fast geschmolzen ist und uns bei unseren ersten Frühlingswanderungen mächtige Sträucher an Wald- und Wegrändern mit ihrer auffälligen, hellgoldgelben Blütenpracht begrüßen, und uns dann später im Jahr mit ihren rötlichen Steinfrüchten erfreuen, ist den wenigsten Menschen bewusst, dass sie eigentlich eine uralte Kulturpflanze vor sich haben, die einst sehr geschätzt war, aber dann längere Zeit mehr und mehr in Vergessenheit geraten ist. Dadurch ist sie mit der Zeit ausgewildert und wird heute als einheimische Wildpflanze empfunden, obwohl sie es nicht immer war.

Die Urheimat der Dirndl oder gelber Hartriegel (Kornelkirsche), wie sie bei uns auch heißt (mit dem wissenschaftlichen Namen Cornus mas), sind die Regionen um den Kaukasus, wo ihre Früchte schon in der Steinzeit gesammelt wurden. Mit den zahlreichen Einwanderungswellen, die immer wieder seit der Ur- und Frühgeschichtezeit bis hin zur Völkerwanderung vom vorderasiatischen Raum nach Mitteleuropa gebrandet sind, ist zusammen mit anderen Nutzpflanzen irgendwann auch die Dirndl in unsere Breiten gelangt und hat sich hier bestens eingelebt. Seither ist sie ein gut integrierter Bestandteil unserer einheimischen Flora geworden.

reife Dirndl mit Blütenknospen im August

Sie wurde nicht immer gleich hoch geschätzt, aber von den Menschen auch nie ganz vergessen, obwohl ihre Bedeutung in der Geschichte starken Schwankungen unterworfen war. Archäologische Befunde belegen die Nutzung der Dirndl bereits für die Jäger und Sammler- Gesellschaften der Steinzeit. Ob sie nur als Obstnahrung in Verwendung stand oder ob damals bereits ihre Heilwirkungen bekannt waren, können wir heute nicht mehr sagen. Später, in der Antike, erfreute sich die Dirndl jedenfalls bereits so großer Wertschätzung, dass sie sogar den Göttern angeboten wurde.

Es ist verwunderlich, dass bisher nur relativ wenige pharmakologische und biochemische Details über diese interessante Pflanze bekannt sind, obwohl sie schon so lange in Verwendung ist und es auch schon lange gesicherte Daten über ihre Heilwirkung gibt. Wahrscheinlich liegt der Grund in der derzeit eher noch lokalen Bedeutung dieser Pflanze. Erst in jüngerer Zeit wächst das pharmakologische und kulinarische Interesse am Dirndlstrauch immer mehr.

Heilkunde - „Fructus corni“

Steinschaler Dirndlmarmelade - 200g

Die Dirndl (Cornus mas) ist in der Heilkunde unter dem Drogennamen „Fructus corni“ bekannt. Der Grund für diese Bezeichnung ist, dass aus unerfindlichen Gründen in erster Linie immer die Früchte verwendet wurden, obwohl auch in den Blättern, Blüten und in der Rinde Wirkstoffe enthalten sind. Bei den Blüten muss der Laie allerdings vorsichtig sein, denn im Gegensatz zu allen anderen Pflanzenteilen, ist die Blüte etwas giftig. Dafür ist der Rest, vor allem die reifen Früchte, umso bekömmlicher.

In früheren Zeiten hatte die Dirndl auch Namen wie „Ruhrkirsche“ oder „Ruhrbeerenstrauch“. Das hat seinen guten Grund, deuten doch solche Namen auf die Nutzung der Pflanze vor allem als Mittel gegen die so genannte „Rote Ruhr“ hin. Diese Seuche ist eine durch Bakterien hervorgerufene Krankheit, die früher, wo die hygienischen Verhältnisse noch sehr zu wünschen übrig ließen, eine weit verbreitete und sehr gefürchtete Krankheit war. Das heißt, dass bereits unsere Vorfahren erkannt haben, dass diese Pflanze antibakterielle Wirkung zeigt und das bereits lange bevor von der Wissenschaft die ersten Mikroorganismen als Krankheitserreger identifiziert werden konnten und erst recht, bevor gezielt antibakterielle Wirkstoffe und Antibiotika isoliert, in ihrer Struktur aufgeklärt und auch synthetisiert werden konnten. Unsere Vorfahren waren eben manchmal scharfe Beobachter und teilweise auch noch im Besitz älteren Heilwissens, das in der unrühmlichen Zeit der Inquisitionen leider unterdrückt, verfolgt und sogar teilweise vernichtet wurde. Es lohnt sich also, noch vorhandenes altes Heilwissen mit unseren heutigen, modernen Möglichkeiten zu überprüfen und wenn es sich als wirksam herausstellt, auch zu nützen. Der Dirndlstrauch ist ein gutes Beispiel dafür.

Antbakterielle Wirkung

GNuss Sieger Wellness - Steinschalerhof

Obwohl also die antibakteriellen Wirkungen der Dirndl schon sehr lange bekannt sind, wurden die dafür verantwortlichen Wirkstoffe bisher noch immer nicht vollständig analysiert. Aber wir wissen, sie wirken, es gibt keine bekannten Nebenwirkungen - außer jemand entwickelt allergische Reaktionen, das kann aber bei jeder Pflanze passieren und kommt im Falle der Dirndl kaum vor. Die Früchte sind also nicht nur sehr gesund, sie schmecken auch sehr gut. Das ist aber noch nicht alles. Der Dirndlstrauch kann noch mehr, denn es wurden auch noch andere Wirkungen beobachtet, wie etwa adstringierende Eigenschaften und stopfende Wirkung bei Durchfällen. Man stellte auch Fruchtsaucen her, die gegen Übelkeit verwendet wurden, eine äußerst wohlschmeckende Behandlung. Beerenauszüge, auch in Wein, helfen bei Magenbeschwerden und Nierensteinen. Bäder mit Extrakten aus Rinde, Holz und Blättern lindern durch Gicht hervorgerufene Beschwerden.

Antioxidantien und Radikalfänger

genial ans Klima angepasst: Dirndlblüten im Schnee

Die Dirndl enthält auch wirksame Antioxidantien und Radikalfänger. Antioxidantien sind Substanzen, welche schädlichen oxidativen Stress des Körpers verhindern oder zumindest bekämpfen helfen können. Radikalfänger sind Moleküle mit spezieller Struktur, die in der Lage sind, gefährliche, in den Körper eingedrungene, bzw. im Körper durch den Stoffwechsel entstandene, Radikale abzufangen und unschädlich zu machen.

Radikale sind hochreaktive Moleküle, die wichtige, körpereigene Substanzen oder physiologische Strukturen im Menschen schädigen können. Sie können auch im normalen Stoffwechsel entstehen und müssen mit geeigneten, über die Nahrung aufnehmbaren Komponenten (eben diesen Radikalfängern) unschädlich gemacht werden. Der Hauptanteil der gefährlichen Radikale entsteht aber nicht im Körper selbst, sondern gelangt in ihn hinein als Folge von oxidativem Stress, durch Rauch und Rauchen, durch Essen von stark geräucherten Lebensmitteln, durch Einatmen von teerhaltigen Dämpfen und rauchend erhitzen Ölen.

Quellennachweis

Auszug aus dem Buch: Das Dirndltal
Kralverlag - Berndorf; Erscheint September 201

Text: Univ. Prof. Dr. Fritz Pittner
Inst. f. Biochemie und Molekulare Zellbiologie der Universität Wien
Dr. Bohr Gasse 9, 1030 Wien

Fotos: Steinschaler Naturhotels