Nachlese zum Kamingespräch - Ernährung und Nachhaltigkeit

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Untertitel: Auto kontra Gabel

Die jahrzehntelange Diskussion über die klimaschädlichen Emissionen von Kraftfahrzeugen hat in jüngster Zeit eine Erweiterung um die Frage der Reduzierung der Umweltbelastung im Zusammenhang mit der Ernährung erfahren. Profunde Kennzahlen machen nachdenklich.

interessierte Zuhöhrer

Mag. Martin Schlatzer, Mitarbeiter von Helga Kromp-Kolb und Projektmitarbeiter am Institut für Meteorologie an der Universität für Bodenkultur in Wien, gab beim 15. Steinschaler Kamingespräch am 22. März 2013 einen profunden Überblick über die komplexen Zusammenhänge zwischen den bereits eingetretenen Folgen und den noch zu erwartenden Entwicklungen unseres Klimas.

Wenn vom Klimawandel und Erderwärmung die Rede ist, denken die meisten sofort an die negativen Auswirkungen der Emissionen von Kraftfahrzeugen. Hier wird seit Jahren um eine Senkung der Umweltbelastung gerungen. Kaum jemand denkt daran, dass ein erheblicher Anteil der umweltrelevanten Folgen für das Klima aus der Art der Erzeugung, Verarbeitung, Vermarktung, dem Transport und der Zubereitung von Nahrungsmitteln resultiert. Dazu kommen noch die Belastungen durch die Entsorgung von Verpackungsmaterialien und organischen Abfällen.

Kamingespräch Mag. Schlatzer

Etwa die Hälfte der ernährungsbedingten Emissionen stammt aus der Landwirtschaft und davon wiederum der Hauptanteil aus der Produktion tierischer Nahrungsmittel. Die Senkung des Fleischkonsums wäre ein entscheidender Beitrag zur Erreichung des Ziels, Erderwärmung bis 2050 auf max. 2° zu halten. Was Erderwärmung bedeutet, zeigt Mag. Schlatzer in eindrucksvoller Weise auf: die Pole schmelzen ab, der Meeresspiegel steigt um 60 cm oder mehr und Millionen Menschen wären auf der Flucht bzw. müssten umgesiedelt werden.

Die Veränderung des Ernährungsstils hätte eine Reihe von positiven Auswirkungen in vielerlei Hinsicht. Schlatzer zeigt auf, dass z.B. 60% des Futterbedarfs für die Tierzucht in Europa durch Soja aus Brasilien gedeckt werden. Dort wiederum müssen Urwälder gerodet werden um neues Land für den Anbau zu gewinnen. Dazu kommen die Veredelungsverluste zur Tiermästung. Er führt aus, dass 3,5 Milliarden Menschen ernährt werden könnten, stünden die Futtermittel, die für die Tiermast eingesetzt werden, den Menschen zur Verfügung.

Es liegt also auf der Hand, dass eine Veränderung der Ernährungsgewohnheiten, vorwiegend in der westlichen Welt, nicht nur zu einer Verringerung der Schadstoffemission in den verschieden Bereichen des Ernährungssystems führen, sondern auch die Gesundheit der Menschen und der Umwelt positiv beeinflussen würde.

Auf die Frage des Beitrags jedes Einzelnen meint Schlatzer: „Eine ausgewogene Ernährung und der maßvolle Umgang mit tierischen Produkten kann ein Beitrag sein. Es muss nicht unbedingt jeder zum Vegetarier oder Veganer werden, aber darauf zu achten, dass aus der Sonntagsbraten von Tieren, die aus regionalen Ressourcen gefüttert wurden stammt, könnte das Ungleichgewicht zwischen „Auto und Gabel“ verbessern.“

Text: Martina Schmidt