Was ist am Finanzsystem nachhaltig?

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Vortrag Prof. Heinrich Wohlmeyer am 4.3. 2010

Interessierte Teilnehmer

Kamingespr 20100304 Zuhörer

Mehr als 40 Personen nutzten die Gelegenheit vom reichen Wissens- und Erfahrungsschatz eines großen Vordenkers der Nachhaltigkeit zu profitieren. Heinz Wohlmeyer, Autor des Buches „Globales Schafe scheren“ sprach im Rahmen der Steinschaler Nachhaltigen Kamingespräche über die Entwicklung und den Zustand unseres Finanzsystems.

Kein unbegrenztes Wachstum

Zentrum aller Betrachtungen war die Tatsache, dass in einem begrenzten System unbegrenztes Wachstum nicht möglich ist. Findet solches statt, sowie es uns der Zinseszins im gegenwärtigen Finanzsystem aufzwingt, dann ist der Systemzusammenbruch programmiert. Wohlmeyer spricht von einem Zyklus von etwa 60 Jahren. Dies entspricht dem Zeitraum von der Neuordnung nach dem 2. Weltkrieg bis zur gegenwärtigen Finanzkrise.

Der Zinseszins führt dazu, dass Kapitaleinkommen viel stärker wachsen als reale Wirtschaften und weltweit wenige große Kapitalanhäufungen entstehen. Diese Großkapitalisten schaffen es zusätzlich sich weitgehend der Besteuerung zu entziehen und machen die Sozialsysteme zunehmend unfinanzierbar.


Wohlmeyer: „Wenn wir die Chance der sanften Revolution versäumen, dann riskieren wir die „Lösung“ via geduldig ertragene Zinssklaverei und damit Abbau des Sozialstaates sowie Absenkung des Lebensstandards oder via Hyperinflation (= kollektive Enteignung) oder via Krieg und Bürgerkrieg (= gewaltsame, unkontrollierte und unangepasste Neuordnung).“

Lösungsansätze

Lösungsansätze für die „sanfte Revolution“ gibt es, sie erfordern jedoch radikales einlenken. So müsste etwa der US-Dollar als nicht aufrechterhaltbare Weltleitwährung durch eine internationale Verrechnungseinheit abgelöst werden. Weiters müsste eine Reform des Welthandelssystems in Richtung eines Ausgleiches unterschiedlicher, kostenwirksamer ökologischer und sozialer Standards erfolgen. Nur so könnte der Wettbewerb nach unten der sozialen und ökologischen Standards gestoppt werden.

Zum Dritten müssten auch Großkapitalien zu einem angemessenen Beitrag zur Finanzierung der Gemeinwesen herangezogen werden. Nicht zuletzt wäre eine strategische Steuerreform nötig mit der Einführung einer Kapitalumsatzsteuer, einer Spekulationssteuer, eine Internetabgabe sowie eine Steuer auf den Verbrauch endlicher Ressourcen. Umgesetzt werden kann dies alles nur durch entschlossenen und beharrlichen Druck von unten, was aber natürlich auch das nötige Wissen um die Zusammenhänge bei der Bevölkerung voraussetzt. Prof. Wohlmeyer betont, dass Wissen eine Holschuld ist.

In der anschließenden von Martina Schmidt moderierten Diskussion reifte die Erkenntnis, dass vor der Gewissheit, dass das momentane System nicht haltbar ist, der dringenden Bedarf besteht, schon heute regionale Kreislauf- und Versorgungssysteme aufzubauen, die auch dann noch funktionieren, wenn im Großen nichts mehr geht. Es ist dies das von Dr. Wohlmeyer propagierte System der „Inseln der Nachhaltigkeit“ und gleichzeitig ein starkes Plädoyer für eine schlagkräftige, nachhaltige Regionalentwicklung.

Welche Rolle aktive Regionen in Zukunft bei der Lösung der Energiefrage spielen können untersucht beim nächsten Kamingespräch DI Michael Paula vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie. Hausherr und Initiator der Steinschaler Nachhaltigen Kamingespräche DI Hans Weiß lädt zum Abschluss sehr herzlich zum nächsten Termin am 20. Mai 2010 ein und bedankt sich bei allen Anwesenden, bei den Medienpartnern sowie bei der Regionalen Raiffeisenbank für die werbliche Unterstützung.

Text: PSS

Weitere Informationen zu Steinschaler Kamingespächen

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